Goldhochzeit in Wollseifen
Maiwind trägt Blütenschnee durch hohe Fensterhöhlen,
er taumelt nieder auf das alte Paar
Kein jubelnd Lied, kein Glockenklang, wie damals.
Und niemand, der einst Glück gewünscht, ist da.
Im Skelett der alten Kirche stehen nur die beiden Alten
und übers Lächeln rinnen Tränen durch die Falten.
An den verbognen Angeln des zerschlagenen Portals
Soldaten, kommandiert zu der bizarren Szene.
Auch ihnen hatte man gesagt, es sei das Recht der Sieger,
doch stehn sie da, Verlegenheit und Zweifel in der Miene.
Sie weichen achtungsvoll zurück und bilden für das greise Paar Spalier
Und draußen prunkt der Kirschbaum wieder in der Blüte, so wie vor 50 Jahren hier.